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Albumvorstellung: «Exit Wounds»

Foto: Yasmin Than/Oktober Promotion/dpa

 

Ein eigenes Lebenswerk:

Jakob Dylans neue Songs

Berlin (dpa) - Wohl nur wenige Abkömmlinge von Pop-Ikonen verkraften diese Bürde so gut wie Jakob Dylan. Der mittlerweile 51 Jahre alte Sohn von «His Bobness» hat sich in seiner Karriere überwiegend hinter einem Bandnamen verborgen - als Frontmann der Wallflowers, also «Mauerblümchen».

Auf «Exit Wounds», ihrem ersten Studioalbum seit «Glad All Over» von 2012, kehrt die kalifornische Folkrock-Truppe nun mit zehn gewohnt soliden, kraftvoll-melodischen, im besten Sinne zeitlosen Songs zurück.

Dass sein Vater, der Literaturnobelpreisträger und Musik-Erneuerer Bob Dylan (80), ein begnadeterer Komponist und Texter ist - Jakob Dylan würde das sicher nicht abstreiten. Aber schon seit seinem Durchbruch vor einem Vierteljahrhundert - mit dem Wallflowers-Album «Bringing Down The Horse» und der prächtigen Single «One Headlight» - hat der Sohnemann eigene Qualitäten als Singer-Songwriter bewiesen.

In einem Interview des Berliner «Tagesspiegels» betonte Jakob Dylan kürzlich, wie sehr er ein künstlerisches Leben «in der zweiten Reihe» hinter den Genies schätze, und nannte Namen wie George Harrison (The Beatles) oder Carl Wilson (The Beach Boys). «Damit identifiziere ich mich. Nicht alle brauchen die große Aufmerksamkeit.» So freundlich und bescheiden, ja unspektakulär wie dieser US-Musiker ist jetzt auch seine neue Platte wieder.

Tracks wie «Maybe Your Heart's Not In It No More», «Roots And Wings» oder «Move The River» sind Americana ohne krampfhaften Innovations-Anspruch, aber eben auch keine öde Folkrock-Dutzendware. Trumpfkarte des Albums sind einige Lieder, an denen die wunderbare Singer-Songwriterin Shelby Lynne beteiligt war. «The Wallflowers - das ist ein Großteil meines Lebenswerks», sagt Jakob Dylan. Und er schreibt diese schöne Geschichte nach fast zehnjähriger Unterbrechung mit «Exit Wounds» würdevoll fort.

© dpa-infocom, dpa:210706-99-274698/4

Band-Webseite

Garbage: «Fist Full Of Devils»

Foto: Chuck Lanza/Starkult/dpa

Earl Slicks furioser Riff-Ritt

durch die Rockgeschichte

Berlin (dpa) - Berühmte «Wasserträger», also wichtige Helfer von Genies und Überfliegern, gibt es nicht nur im Radsport oder Fußball. Sondern auch in der Rockmusik. So profitierte David Bowie in den über 45 Jahren seiner Karriere von einigen der weltbesten Gitarristen.

Vorneweg natürlich der großartige Mick «Spiders From Mars» Ronson, aber auch Chic-Funkateer Nile Rodgers, Carlos Alomar, Gerry Leonard - und praktisch bis zum Schluss immer wieder Earl Slick.

Rein instrumentales Album

Der 68-jährige US-Amerikaner mit dem coolen Retro-Rocker-Look geht seit Bowies Tod im Januar 2016 nicht nur regelmäßig in einer prominent besetzten Tribute-Band zu Ehren des Meisters auf Tournee - er macht auch solo weiterhin hörenswerte Musik. Slick feuert auf dem Album «Fist Full Of Devils» die Riffs jetzt so lässig aus der Hüfte, dass man dem Wegbegleiter von Bowie, John Lennon, Keith Richards, David Coverdale oder Ian Hunter für seine lediglich solide wertkonservativen Songs kaum gram sein kann.

Besonders sympathisch kommt Slick mit dem rein instrumentalen Ansatz seiner 55 Minuten langen Platte rüber: Dieser Gitarrist hätte locker ein paar prominente Sänger für seine Stücke finden können, um den Glamourfaktor zur erhöhen - wollte er aber wohl nicht. Stattdessen stellt der als Frank Madeloni in Brooklyn/New York geborene Musiker sein Können an den sechs Saiten ins Zentrum - in Songs, die Hardrock, Seventies-Pop, Rockabilly, Blues, Balladen («Emerald») oder auch mal Boogie («Dr. Winston O'Boogie») streifen und Riesenspaß machen.

Für Musikfans, die den Tod der Rockgitarre (und der klassischen Virtuosen-Rockmusik insgesamt) am Horizont sehen, ist «Fist Full Of Devils» bestimmt eine Zumutung. Der Rest kann sich an furiosen, aber auch nicht unangenehm eitlen Darbietungen erfreuen (laut Slick «Akrobatik ohne Sicherheitsnetz - ich wollte nie etwas Anderes»). Die Platte lässt einen hoch verdienten Promi-Sidekick im gehobenen Alter nochmal glänzen. Bowie hätte sich gefreut für seinen treuen Kumpan.

© dpa-infocom, dpa:210629-99-186182/4

 

 

Foto: Ferdy Damman/ANP KIPPA/EPA/dpa

Albumvorstellung: «Monsters»

Überflieger mit Psychokrise:

Tom Odells «Monsters»

Berlin (dpa) - Bisher lief alles fast schon zu glatt für den englischen Piano-Mann Tom Odell.

Ein Debütalbum, das ihn mit Anfang Zwanzig auf Platz eins der Charts katapultierte, ein fast 400 Millionen Mal gestreamter Welthit mit «Another Love», weitere Top-5-Platten in Großbritannien und auch anderswo in Europa, diverse Auszeichnungen - der Singer-Songwriter war längst eine feste Pop-Größe.

Doch dann ging etwas schief, und das kann man auf dem zerknirschten Cover-Foto seines vierten Albums «Monsters» nun sehen und in manchen aktuellen Songs auch hören. 2018/19 - also kurz vor der Schwelle zu den eigenen Dreißigern - sei es «über weite Strecken nicht gut um seine mentale Gesundheit bestellt» gewesen, so erklärt sein Label Odells oft kargen, auch mal sperrig-experimentellen neuen Sound.

Schon die erste Single im Frühjahr ließ Fans mit etwas Sorge zurück. «Ich hatte das Gefühl festzustecken, als wäre ich im Begriff, den Sinn für Leichtigkeit zu verlieren», sagt Odell über die textliche Ebene von «Numb». Der Songwriter habe sich aber «aus dem Tief herausgeschrieben», seine Angstzustände überwunden, heißt es nun.

Dabei herausgekommen sei «mein zeitgemäßestes, politischstes, aber auch persönlichstes Werk», so Odell. Dass der Ex-Sonnyboy inzwischen auch sarkastisch texten kann, zeigt «Money»: Da singt er «If You wanna be happy, You gotta make more money» - also vom Geld als vermeintlichen Glücklichmacher. Der Musiker hat aber auch nach wie vor emotionale Klavierballaden drauf - das beweist er auf dem mit 16 Stücken überlangen Album im Beatles-nahen «Tears That Never Dry».

Odell will auch weiterhin - trotz mancher Irritationen durch das im Londoner Lockdown aufgenommene «Monsters» - zugängliche Lieder liefern. Denn: «Popmusik ist alles andere als stumpf und billig», sagt er im Interview des Magazins «jetzt». Und fügt hinzu: «Ich würde so gerne einen Song für Justin Bieber schreiben.»

Es gehe ihm wieder besser, weil er seine musikalische Neugier wiederentdeckt habe, bestätigt der vielseitige Brite, der neben Bieber, Billie Eilish oder Arlo Parks auch den Klassik-Komponisten Arvo Pärt mag.

© dpa-infocom, dpa:210622-99-92874/4

Webseite Tom Odell

Albumvorstellung: «Crash Of The Crown»

Foto: Rick Diamond/Getty Images for STYX/dpa

 

Styx: Melodic-Rock-Veteranen

bleiben sich treu

London (dpa) - Mit Rock-Klassikern wie «Mr. Roboto» oder «Blue Collar Man (Long Nights)» und zuckersüßen Balladen wie «Babe» oder «Come Sail Away» feierte die Band Styx aus Chicago in den 1970er und frühen 80er Jahren riesige Erfolge.

In Deutschland war ihre Single «Boat On The River» ein Tophit (der in den USA nicht mal veröffentlicht wurde). Mit zwei Unterbrechungen und einigen Besetzungswechseln ist die Band bis heute aktiv und veröffentlicht nun ihr 17. Studioalbum.

«Crash Of The Crown» ist laut Gründungsmitglied, Gitarrist und Sänger James Young «ein Kommentar zur Welt in diesem Moment». Young, bei Styx für den Hardrock-Anteil zuständig, weiß selbst, dass das etwas vage klingt. Aber erstmals war er nicht am Songwriting beteiligt. «Wir sind keine offen politische Band», sagt er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Wir sind nie richtig politisch geworden, wegen der politischen Ansichten in der Band. Da ist alles dabei.»

Leadsänger und Gitarrist Tommy Shaw schrieb die 15 neuen Songs gemeinsam mit Produzent Will Evankovich - und setzte dabei auf den klassischen Styx-Sound mit reichlich dominanten Synthesizern, Orgeln, rockenden Gitarren und harmonischem Chorgesang. Auch nach fast 50 Jahren Styx hört man auf dem neuen Album die britischen Einflüsse der US-Band heraus - Elemente von Yes, Queen oder den Beatles. «Wir sind wirklich ein Konglomerat verschiedener Einflüsse», sagt Young. «Und die klingen in jedem Song anders heraus.»

Da die sechs Bandmitglieder nicht mehr nur in Chicago, sondern in unterschiedlichen Teilen Nordamerikas leben, ob Miami/Florida oder Toronto/Kanada, trafen sich einige in Shaws Heimstudio in Nashville/Tennessee. Drummer Todd Sucherman spielte seine Parts in Austin/Texas ein. «Sein Schlagzeug wurde Tausende Meilen entfernt von dem Ort aufgenommen, wo das Aufnahmegerät stand», erzählt Young.

Das Resultat klingt wie aus einem Guss, die kraftvolle Mischung aus Melodic- und Progressive-Rock kann sich hören lassen. Styx gelingt es, ihrem Stil treu zu bleiben, ohne sich selbst zu kopieren oder altbacken zu klingen. Worum es inhaltlich in den neuen Songs geht, ist dann eigentlich fast egal.

© dpa-infocom, dpa:210615-99-997268/3

Website Styx

Albumvorstellung: «Mother Nature»

Foto: Henning Kaiser/dpa

Angélique Kidjo

und die Liebe zu Afrika

Berlin (dpa) - Afrika gilt als Wiege der modernen schwarzen Musik, von Blues, Reggae, Funk und kubanischen Rhythmen. Pop-Weltstars mit Langzeitwirkung von diesem krisengeschüttelten Kontinent sind dennoch eine Seltenheit.

Der wohl größte ist eine 60-jährige Frau aus dem westafrikanischen Benin: Angélique Kidjo. Mit ihrem neuen Album setzt die vierfache Grammy-Gewinnerin der Heimat ein musikalisches Denkmal.

Auf «Mother Nature» teilt die lange in Paris und jetzt in New York lebende Kidjo das Rampenlicht mit einigen künstlerischen Nachkommen, etwa Yemi Alade, Burna Boy, Zeynab und Lionel Loueke. Bewusst bietet die beninisch-französische Sängerin, die Miriam Makeba und Nina Simone ebenso verehrt wie Jimi Hendrix und Talking Heads, jungen Kreativen der westafrikanischen Popmusik, des Afrobeat, Dancehall und R&B eine große Bühne.

«Mein Traum ist, dass die aus Afrika kommende Musik so etwas wie der Personalausweis und der Fingerabdruck des Kontinents wird», so drückte Kidjo ihren missionarischen Anspruch kürzlich in einem Interview aus. Mit Songtiteln wie «Choose Love» oder «Dignity», mit Appellen wie «Africa, One Of A Kind» oder «One Africa» nutzt die Unicef- und Oxfam-Botschafterin ihre Autorität als wichtigste künstlerische Stimme des Kontinents für einen Trost- und Weckruf.

Dass die überwiegend leichten, auch mal seichten Lieder auf «Mother Nature» nicht zu Kidjos stärksten zählen, lässt sich angesichts der guten Absichten und positiven Vibes verschmerzen.

Wer die Energie und Klasse dieser Sängerin besser kennenlernen will, sollte sich an zwei jüngere Alben aus ihrem 30 Karrierejahre umfassenden Katalog halten: «Remain In Light» (2018), Kidjos grandiose Rückeroberung des Crossover-Hits der Talking Heads, und der Salsa-Ausflug «Celia», der ihr 2019 Grammy Nummer vier («Best World Music Album») einbrachte.

© dpa-infocom, dpa:210615-99-997265/4

Webseite Angélique Kidjo

 

 

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