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Albumvorstellung: «Mexico»

Foto: Studio Marco Fischer/BeckToMusic/dpa

 

Mighty Oaks

mit Folk aus dem Keller

Berlin (dpa) - Im Heimstudio im eigenen Keller fühlte es sich für die Mighty Oaks fast so an wie am Anfang. Zu Hause bei US-Sänger Ian Hooper in Berlin produzierten die Mighty Oaks ihr neues Album «Mexico» in Eigenregie. Dabei blickt die Folk-Band («Brother») mit gemischten Gefühlen auf das Corona-Jahr zurück.

«Ich hatte so viel Zeit wie seit acht Jahren nicht mehr», erzählte Hooper der Deutschen Presse-Agentur. Gleichzeitig wurde die Sehnsucht nach Auftritten vor Publikum immer größer. «Ich würde alles geben, um wieder auf Tour zu fahren», sagt der US-Sänger, der mit seiner Familie in Berlin lebt. Auch wenn viele andere Menschen deutlich härter getroffen seien: «Das tut schon seelisch weh.»

Hooper allein ist gerade bei der Vox-Musikshow «Sing meinen Song - Das Tauschkonzert» zu sehen. Zur Band gehören neben ihm aber noch Gitarrist und Keyboarder Claudio Donzelli aus Italien sowie Bassist Craig Saunders aus England.

«I never saw it coming», singt Hooper zu Beginn des neuen Albums - «ich habe es nicht kommen sehen». Auch die Mighty Oaks wurden von Corona überrascht. Im März 2020 kamen sie gerade von ihrer Tour aus Norwegen zurück - dann kam der Lockdown. Weitere Songs auf dem Album stehen unter dem Einfluss der Krise. Ein Corona-Album soll es aber nicht sein. «Die Platte ist nicht befallen von dem Virus», sagt Hooper. «Ich schreibe lieber Musik, die zeitlos ist.»

Auf ihrem vierten Album konzentriert sich die Band wieder auf ihre Stärken: mehrstimmiger Gesang, Akustik-Gitarren, wenig Drumherum. Typisch Folk-Musik eben. Die großen Erfolge der Musikrichtung liegen jedoch schon eine Weile zurück. Ende 2009 startete die Band Mumford & Sons mit Songs wie «Little Lion Man» durch. Auch Bands wie die Lumineers («Ho Hey») füllten die Hallen.

Auf dieser Welle schafften es 2014 auch die Mighty Oaks mit «Howl» in die Top Ten der Charts. Songs wie «Brother» oder «Seven Days» erreichten im Radio ein breites Publikum. Die Mighty Oaks klapperten die großen Festivals ab und tourten durch Europa.

«Es ist wunderschön, wenn die Musik hoch und runter im Radio läuft», sagt Hooper rückblickend. «Das haben wir mitgenommen und sehr viele Fans gewonnen.» Das hohe Level konnten sie mit den folgenden Alben jedoch nicht halten. «Dreamers» schaffte es nur noch in die Top 20. Noch schwieriger wurde es mit «All things go».

Ein kleiner Trost: Auch bei Mumford & Sons und anderen Folk-Größen läuft es nicht mehr so wie früher. «Jede Zeit hat ihre wichtigen Mainstreams. Das ist im Moment bei der jüngeren Generation Hip Hop», sagt Udo Dahmen von der Popakademie Baden-Württemberg. «Das wird sicher auch noch eine Weile so bleiben.»

Für Folk-Bands wie die Mighty Oaks muss das nicht unbedingt schlecht sein. Jede Stilrichtung habe ihr Kernpublikum, das über den Trend hinaus bleibt, sagt Dahmen. «Die Bands verschwinden nicht einfach, sie sind nach wie vor da, und besinnen sich auf ihr Kernpublikum.» Das sieht auch Hooper so. «Die Leute, die immer noch zu unseren Shows kommen, sind wirklich Fans von uns», sagt er. «Wir haben ein Level gehalten, das sehr gut ist.»

Ganz zufrieden geben wollen sich die Mighty Oaks damit aber anscheinend nicht. Bei «Sing meinen Song» erreicht Frontmann Hooper pünktlich zur Veröffentlichung des neuen Albums neue Zielgruppen. «Das ist eine Möglichkeit, noch mehr Leute zu gewinnen», gibt er zu.

Zusätzlich könnte der Band etwas anderes in die Karten spielen. Nach überstandener Corona-Krise könnte der Wunsch nach Live-Musik wieder wachsen. «Da hat die Folk-Musik eine echte Chance», sagt Dahmen. Bands wie die Mighty Oaks könnten von der Straßenmusik bis zum großen Festival alles bespielen.

© dpa-infocom, dpa:210506-99-495654/3

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Foto: Tim Duggan/dpa

Albumvorstellung: «Be Here Instead»

Parker Millsap:

Zwischen Honky-Tonk und Soul

Nashville (dpa) - Wenn Amerikaner über ihre Landsleute aus dem Staat Oklahoma sprechen, begleiten sie dies mit einem mitleidigen Lächeln. Denn «Okies» gelten als einfache Leute vom Land.

Doch wenn Parker Millsap auf die Bühne tritt, weicht das oft süffisante Lächeln einem verzückten Blick. Schließlich hat «Okie» Millsap mit seinen knapp 28 Jahren bereits die Blues-, Americana- und Country-Welt erobert.

Schon bei seinen ersten größeren Auftritten vor sieben Jahren bescheinigte ihm das US-Rundfunksyndikat National Public Radio (npr) großes Potenzial. Er habe eine Stimme, die sowohl für «Honky-Tonk aus dem Süden als auch Soul aus dem Norden» geeignet sei, dazu noch gutes Aussehen wie ein Filmstar und ein Händchen für das Komponieren.

Nach einer knapp dreijährigen Pause hat Millsap jetzt ein neues Musik-Projekt abgeschlossen. Das Album «Be Here Instead» ist zumindest musikalisch ein neuer Gehversuch, denn er wendet sich stilistisch vom düsteren und energiegeladenen Folk ab. Stattdessen versucht er sich auf seinem fünften Studio-Album in neuen Ausdrucksformen - und hat mit allem experimentiert, vom Klavier über Effektpedalen bis hin zu Old-School-Drum-Machines. So lässt sich sein Stil auch nicht festzurren.

Die erste, bereits ausgekoppelte Single «The Real Thing», mit Erin Rae als Gastsängerin, ist nach Millsaps Bekenntnis «ein Song, dessen Bedeutung mir mit der Zeit neue Facetten offenbart hat». Zunächst wollte er eigentlich nur ausdrücken, wie sehr er seine Frau vermisse. Danach ging es «um meine generelle Abneigung gegen Internetkommunikation, und dann kam die Pandemie, und es ging darum, dass ich von dieser Art von Kommunikation abhängig bin und mich nach körperlicher Nähe sehne. Die These des Songs ist also: Facetime ist Mist.»

Gefühlvoll geht es auch im Song «Vulnerable» (Verletzlich) zu. «Es geht dabei um hören und gehört werden», verrät Millsap. «Es geht darum, stark zu sein, indem man nachgiebig ist. Es ist einfach eine Erinnerung am mich selbst, nett zu sein.»

Auch ihn haben die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Einschränkungen hart getroffen. «Ich vermisse es, für euch alle zu spielen», schrieb er auf seiner Facebook-Seite. Zwar habe er mit seinem Team einige Videos aufgenommen, um die Zeit zu überbrücken, «aber nichts ist besser als Live-Musik». Er könne es daher kaum erwarten, wieder «in Fleisch und Blut» vor seinem Publikum aufzutreten.

© dpa-infocom, dpa:210330-99-22516/3

Website Parker Millsap

Parker Millsap bei Facebook

Bonnie Tyler: «back to the roots»

Foto: Vít Èerný/CTK/dpa

Berlin (dpa) - Kurz vor ihrem 70. Geburtstag besinnt sich die britische Sängerin Bonnie Tyler auf die erfolgreichste Zeit ihrer Karriere. Auf ihrer neuen Platte «The Best Is Yet To Come» geht sie unverkennbar zurück in die Ära, als ihr «Classic-Rock» seine Hochphase erlebte.

Auf Tylers Durchbruch mit «Lost In France» im Jahr 1976 folgten bis Mitte der 80er heutige Klassiker wie «It's A Heartache», «Total Eclipse Of The Heart» oder «Holding Out For A Hero». An diese Zeit will die Musikerin mit der unverwechselbar rauen Stimme nun auf ihrem 18. Album anknüpfen. «Die Songs fangen dieses zeitlose Rockgefühl ein», sagte sie jüngst einem britischen Radiosender.

Die Lieder nahm Tyler noch vor der Pandemie auf. Der Titeltrack «The Best Is Yet To Come» gibt dem Album gleich einen kraftvollen Anschub. Er zeigt: Hier gibt's eine Bonnie Tyler, wie man sie kennt. Die Ballade «Stronger Than A Man» setzt ganz auf den kräftigen Sound aus ihrer Kehle. Sowieso sagte sie: «Meine Stimme ist stärker als jemals zuvor.» Daher wohl auch der optimistische Albumtitel - dass das Beste noch vor ihr liege.

Aber es gibt auch Schattenseiten auf der Platte. Den 10cc-Song «I'm Not In Love» beraubt sie zu sehr seiner ursprünglichen Sanftheit. Und auch die Edward-Simoni-Gedächtnis-Panflöte in «Stuck To My Guns» hätte es wahrlich nicht gebraucht. Das ist dann doch zu sehr 80er-Jahre-Overkill.

© dpa-infocom, dpa:210223-99-553865/4

Website Bonnie Tyler

 

 

Albumvorstellung: «Think Of Spring»

Foto: Holly Andres/dpa

 

Jazz-Standards als Folk-Solo:

M. Ward singt Billie Holiday

Berlin (dpa) - Viele Musiker waren im Corona-Jahr sehr produktiv - mit gleich zwei Alben wie Taylor Swift oder ungeplanten, aber grandiosen Homeoffice-Aufnahmen wie Paul McCartney. Auch der US-Sänger, Songwriter und Gitarrist M. Ward beglückte seine Fans.

Nach der sehr gelungenen Platte «Migration Stories» aus dem April ist nun mit «Think Of Spring» (Anti-/Indigo) eine weitere, aus elf Stücken bestehende Songsammlung auf dem Markt. Diesmal sind es aber keine eigenen Lieder von Matthew Stephen Ward aus Ventura County/Kalifornien, sondern «nur» Cover uralter Jazz-Standards.

Gemeinsam ist diesen Tracks, dass sie vor über 60 Jahren von der legendären tragischen Sängerin Billie Holiday (1915-1959) interpretiert wurden. Ganz konkret geht «Think Of Spring» auf das späte Holiday-Meisterwerk «Lady In Satin» (1958) zurück.

Ward - ein sensibler, wenn auch nicht herausragender Sänger und dafür umso virtuoserer Gitarrist - dimmt die zum Teil als Genre-Klassiker berühmten Lieder konsequent aufs Folk-Format herunter. Er versucht also gar nicht erst, unsterbliche Stücke wie «I Get Along Without You Very Well», «You've Changed» oder «You Don't Know What Love Is» im Stil der Jazz-Diva aufzufassen, geschweige denn sie so zu singen.

Und das tut seinen Versionen hörbar gut. Ward hat mit seiner angerauten, verträumten Folkie-Stimme eine ganz eigene Statur, um solchen Ikonen längst vergangener Songwriter-Genies neues Leben einzuhauchen. Da er seinen Gesang nur mit einer Akustikgitarre begleitet, kommt auch kein Chet-Baker-Feeling auf - der fragile Jazz-Trompeter und Sänger hatte einige dieser melancholischen Lieder ebenfalls einst großartig interpretiert.

«Lady In Satin» erschien 1958 als orchestrale Jazz-Platte über die große Plattenfirma Columbia Records - und Matt Wards spartanisch-reduzierte «Reimagination» jetzt bei einem feinen Indie-Label. Wenn «Think Of Spring» dazu führt, dass sich Musik-Gourmets auch das Original mal wieder (oder erstmals) anhören, hat der Amerikaner schon mal ein Ziel erreicht.

Er habe «Lady In Satin» selbst erst mit ungefähr 20 entdeckt, sagt der 47-Jährige. «Ich erinnere mich, dass ich den Klang ihrer Stimme fälschlicherweise für eine wunderschön perfekt verzerrte E-Gitarre gehalten habe - etwas Außerweltliches, das da über einem sonderbar traurigen Ozean von Streichern hereinflutete, und ich hing für immer am Haken.» Nun, knapp drei Jahrzehnte später, ist Ward eine zarte, berührende Billie-Holiday-Hommage geglückt.

© dpa-infocom, dpa:201218-99-749339/3

Website M. Ward

Albumvorstellung: «J.T.»

Foto: Skip Bolen/EPA/dpa

Cover-Album

Steve Earle:

Verbeugung vor dem toten Sohn

Berlin (dpa) - Mindestens zwei Dinge hatten Grammy-Gewinner Steve Earle und sein Sohn Justin Townes Earle gemeinsam: ihr Talent als Singer-Songwriter zwischen Folk, Rock und Alternative-Country - sowie die lebensgefährliche Nähe zur Sucht.

Für den Jüngeren ging es nicht gut aus - er starb am 20. August mit nur 38 Jahren in der US-Musikmetropole Nashville an einer Rauschgift-Überdosis. Nun setzt ihm sein Vater, der ebenfalls lange gegen Alkoholismus und Drogen ankämpfte, per Tribute-Album ein beeindruckendes Denkmal.

Die schlicht mit den Initialen «J.T.» betitelte Songsammlung erschien digital an genau jenem 4. Januar, an dem Justin Townes Earle seinen 39. Geburtstag gefeiert hätte. Im März folgt eine Veröffentlichung auf CD und Vinyl. Steve Earle singt zehn Lieder des Sohnes - und ein eigenes Stück, das raue, rührende Requiem «Last Words». Begleitet wird er von seiner treuen Band The Dukes, die ihn in unterschiedlichen Besetzungen schon seit Jahrzehnten begleitet.

Was als Nachruf-Konzept düster und traurig klingt, ist indes eine Feier des Lebens eines begabten jungen Musikers, der es geschafft hatte, aus dem überwältigenden Schatten des Vaters herauszutreten. Songs wie «Ain’t Glad I’m Leaving» oder «They Killed John Henry» sind fröhliche Schunkler mit Elementen von Bluesgrass, Blues und Gospel, der Track «Maria» inklusive Pedal-Steel-Gitarre und Banjo verknüpft Bruce Springsteens Fernweh-Americana mit Nashville-Klängen, «Champagne Corolla» ist wunderbar swingender Rockabilly.

Auch die schöne Folk-Ballade «Turn Out My Lights» zeigt, dass sich Justin Townes Earle als Songautor nicht hinter dem Senior verstecken musste. «Es gibt viele Söhne und Töchter da draußen, die mit ihren Eltern nichts zu tun haben wollen. Kommt über diesen Mist mal hinweg», sagte «J.T.» einmal über das Verhältnis zum Vater. «Glaubt Ihr ernsthaft, man tue das, was man tut, ohne den Einfluss der Mutter oder des Vaters?» Er habe es aber trotzdem geschafft, seinen eigenen Weg als Schreiber und Gitarrist zu finden.

Steve Earle (65), der etliche Male verheiratet war und drei Söhne von drei Ehefrauen hat, sagt über den Filius: «In guten wie in schlechten Zeiten, richtig oder falsch - ich liebte Justin Townes Earle mehr als alles Andere auf dieser Welt. Abgesehen davon habe ich diese Platte - wie jede andere Platte, die ich je gemacht habe - für mich gemacht. Es war der einzige Weg, den ich kannte, um Auf Wiedersehen zu sagen.» Vor einigen Wochen veröffentlichte der Vater ein älteres Foto mit dem erwachsenen Sohn - in enger Verbundenheit, beide lachend.

Das letzte Lied, das der dreifache Grammy-Preisträger Steve Earle auf «J.T.» nun covert, heißt «Harlem River Blues». Es ist eine von Justin Townes Earles bekanntesten Kompositionen - sie wurde bei den Americana Music Awards 2011 mit dem Titel «Song of the Year» geehrt, nachdem der damals 27-Jährige 2009 bereits in der Kategorie «Aufstrebender Künstler» gewonnen hatte.

«Tell my mama I loved her/tell my daddy I tried/give my money to my baby to spend» (Sag meiner Mutter, dass ich sie liebte/erzähle meinem Vater, dass ich es versucht habe/gib Geld an mein Baby, damit es was auszugeben hat) - so lauten einige Zeilen im «Harlem River Blues». Eine bewegende Rückschau - vielleicht gar eine Anweisung für den Fall des eigenen Todes. Nun sollen alle Künstlereinnahmen und Tantiemen von «J.T.» an eine Stiftung gespendet werden - zugunsten von Etta St. James Earle, der dreijährigen Tochter von Justin Townes Earle.

© dpa-infocom, dpa:201229-99-839593/4

Website Steve Earle

 

 

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