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Freitag, 30. November 18

Memoiren mit Musik: Jeff Tweedys Zwischenbilanz

Von Werner Herpell, dpa - Nicht wenige Popkritiker sehen Jeff Tweedy als Songwriter auf Augenhöhe mit den Besten der Zunft. Nun veröffentlicht der Frontmann der Folkrock-Band Wilco kurz hintereinander Autobiografie und Soloalbum -

Foto: Kabir Dhanji/EPA

eine eng verknüpfte Zwischenbilanz mit 51 Jahren.

Berlin (dpa) - Viele Rockfans werden in diesen Wochen «Let’s Go (So We Can Get Back)» lesen und dazu «Warm» hören.

Das passt. Denn die Autobiografie des höchst einflussreichen Songwriters, Sängers und Gitarristen Jeff Tweedy geht Hand in Hand mit seinem neuen Soloalbum - nicht nur wegen der nahezu zeitgleichen Veröffentlichung im November.

Wortwahl und Tonfall der Memoiren, Stimmungen und Sounds der Platte erzeugen ein Gesamtbild des knorrigen, intelligenten US-Musikers, der vor 30 Jahren mit der Alternative-Country-Truppe Uncle Tupelo bescheiden startete und seit der Gründung seiner Band Wilco (1994) dem Folkrock mit großer Experimentierfreude neues Leben einhauchte.

Das Buch ist eine ehrliche Zwischenbilanz von Jeff Tweedy (51) als Privatmensch und Künstler. Die Platte ergänzt den seit zwei Jahren geschriebenen Rückblick mit einigen der warmherzigsten (Albumtitel!) und traurigsten, aber auch hoffnungsvollsten Songs seiner Laufbahn.

Auf dem Buchdeckel ist der 1967 in Belleville/Illinois geborene, bis heute in Chicago lebende Tweedy als junger, noch stupsnasig-naiv in die Welt blickender Mann abgebildet. Das Albumcover zeigt ihn so, wie er heute aussieht: mit Brille, Bart und langen, schon ergrauenden Haaren, seltsam zottelig, in einer Art Jubelpose. Kein auf Anhieb sympathischer oder gar attraktiver Typ - aber eben einer mit ganz viel Charakter und Integrität, Herzensbildung und Lebensklugheit.

«Warm» (auf dem Wilco-Label dBpm erschienen) knüpft vor allem in der ersten Albumhälfte beim aufgefrischten Countryrock von Uncle Tupelo und den frühen Wilco an. «Some Birds» erinnert nicht zufällig an The Byrds. «Don't Forget» und die eingängige, ökologisch engagierte Single «Let's Go Rain» gehen mit Akustik-Klampfe und Steel-Gitarre noch klarer in Richtung Folk. Die Ballade «How Hard It Is For A Desert To Die» passt zu den nachdenklichen Passagen der Memoiren.

Nachfolgende «Warm»-Lieder weisen verstärkt auf den Innovator Tweedy hin - auch wenn sie nicht ganz die Kühnheit der Wilco-Platten «Yankee Hotel Foxtrot» (2002) und «The Whole Love» (2011) oder die makellose Schönheit des Band-Meisterwerks «Sky Blue Sky» (2007) erreichen.

Doch das virtuos schwebende «From Far Away», der tolle Titelsong und das wunderbar zart gesungene «How Will I Find You?» ergänzen ohne Abstriche ein Gesamtwerk, das Tweedy seit 20 Jahren auf Augenhöhe mit den ganz Großen verortet: Joe Strummer von The Clash, Michael Stipe von R.E.M., Billy Bragg, Neil Young, Bob Dylan, Bruce Springsteen.

Wie der Musiker kürzlich in der «Late Show» von Stephen Colbert zum Besten gab, wurde es höchste Zeit für die Autobiografie: «Die Erinnerungen begannen schon zu verblassen.»

Tweedy hat intensive Jahre hinter sich. Dazu gehören Band-Streitereien und Trennungen, Panikattacken und (inzwischen überwundene) Medikamentensucht - aber auch der stabilisierende Wert enger Familienbande mit Ehefrau Sue und den Söhnen Spencer und Sam. Und natürlich große Erfolge: rauschendes Kritikerlob und ausverkaufte Hallen weltweit, Top-5-Platten in den USA, Grammy-Preise.

So sind Tweedys Buch «Let’s Go (So We Can Get Back)» und sein Album genau das geworden, was die Fans von so einem ambitionierten Musiker erhoffen durften: eine berührende Zwischenbilanz aus Worten und Klängen in der Mitte eines schon jetzt erfüllten Künstlerlebens.

Zugleich freuen sich Verehrer der Band - bei allem Respekt für die starken neuen Solo-Songs - über die Ankündigung im britischen Magazins «Uncut», wonach Tweedy «zum Jahresende wieder mit Wilco durchstarten» werde.

Denn als Frontmann dieser virtuosen Truppe war er immer am besten. «Es steckt noch eine Menge nicht ausgeschöpftes Potenzial in Wilco», sagte der 51-Jährige dem «Uncut». Zudem würde er die Treue der vielen als «Follower» bezeichneten Band-Fans gern zurückzahlen. «Ich spüre da eine ganz besondere Begeisterung.»

Jeff Tweedy auf Twitter

Webseite Wilco/Jeff Tweedy

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