GRAZIELLA SCHAZAD - Gewinnerin in der Kategorie "Best Newcomer 2011"
"Picture in a Puzzle"
Graziella Schazad Debütalbum "Feel Who I Am"
VÖ 15.10.2010
Sie spielt Geige wie andere Leute Gitarre. Quer vor dem Bauch, ohne den Bogen. Dass das ungewöhnlich ist, fällt ihr vermutlich gar nicht auf, es passt zu ihr. Graziella Schazad ist ein wandelnder Widerspruch. Eine klassisch ausgebildete Musikerin, die ihre von klein auf studierten Instrumente Klavier, Violine und Gitarre ganz in den Dienst ihrer Stimme stellt und ihre Songs gelegentlich vokalakrobatisch mit Beat-Box unterlegt. Eine Singer-Songwriterin, die Beastie Boys oder Jungle Brothers zu ihren Lieblingen zählt und die man, ganz gegen die Genre-Gewohnheiten, nie eineinhalb Stunden am Stück mit akustischer Gitarre auf der Bühne sehen wird. Vermutlich würde ihr dann auch langweilig. Es steckt zu vieles in ihr, an Talenten, aber auch an Geschichten.
„Ich habe den Drang, auf der Bühne zu stehen. Ich mache das, seit ich denken kann, und ich will das unbedingt. Ich gehöre da hin.” Wenn Graziella Schazad das sagt, klingt es nicht anmaßend, eher fast ein wenig leise, ohne dabei jedoch an Überzeugungskraft zu verlieren. Sie ist einer dieser Menschen, denen man sofort sein Herz öffnen möchte: gewinnend freundlich, mit wachen Augen und offenen Ohren für sein Gegenüber. Eine aparte junge Frau, die sich nicht in den Mittelpunkt drängt und scheinbar trotzdem weiß, was sie will und kann. Zumindest auf den ersten Blick. Doch bei Graziella Schazad steckt immer mehr dahinter, als das Auge sieht. Etwa, wenn sie entwaffnend direkt sagt: „Ich halte mich und meine Sicht der Dinge für ziemlich naiv”, und laut darüber lacht – um dann sehr überlegt nachzuschieben: „Ich weiß nicht, woher dieser starke Wunsch kommt, im Mittelpunkt zu stehen und mit meiner Musik Erfolg zu haben – aber ich will es auch nicht wissen. Ich bin mir ziemlich sicher: Würde ich den Grund entdecken, würde ich die Musik sofort hinschmeißen.”
Das wäre ein Verlust. Die 27-Jährige hat die seltene Gabe, Ohrwürmer zu schreiben, die sich beim ersten Hören sanft in den Gehörgang schleichen und dort für lange Zeit verweilen – ohne je auch nur eine Sekunde zu nerven. Eine erste Kostprobe von Graziellas Können war ihr Song „Look at me”, 2009 ein veritabler Sommerhit in Deutschland, Polen und der Schweiz. Irgendwie mädchenhaft, federleicht, bezaubernd – und irgendwie auch gerade nicht: Graziellas Stimme ist nicht einfach schön, sie ist eigen. Sie hat nicht die Fülle einer Soul-Diva, nicht die Energie einer Rockröhre, sie ist nicht so fröhlich und süß wie die anderer Singer-Songwriterinnen; die Stimme transportiert vor allem sehr subtil die Doppelbödigkeit und manchmal fast ausweglose Melancholie von Graziellas Texten. Denn in ihren tiefen, dunklen Augen liegen nicht nur Kraft und Bestimmtheit. Sondern auch das jeweilige Gegenteil. Wenn Graziella Schazad von ihrer Vergangenheit spricht, dann kann sie auf einmal ganz weit weg sein vom Hier und Jetzt. Und ihre zarte Gestalt erscheint dann nicht mehr nur eigenwillig elegant, sondern ganz sicher auch zerbrechlich.
Graziellas Umtriebigkeit weckt das Interesse der Hamburger Szene, und das trägt Früchte: Als ihre heutige Plattenfirma lose bei ihr wegen eines Demo anfragt, packt sie entschlossen ihre Instrumente und macht sich mit Bus und Bahn auf den Weg – eine unpersönliche Studioaufnahme ist ihr zu unsicher, sie präsentiert sich lieber live. Während ihres Spontankonzerts in der Lounge des Musikkonzerns öffnen sich schnell alle Bürotüren der verwunderten Mitarbeiter. Wenig später hat Graziella den Plattenvertrag in der Tasche, ihre Single „Look at me” wird der erste Testballon. Und nach über einem Jahr intensiver Arbeit liegt nun auch das Debütalbum vor.










