PARTNER
Du bist hier: Home > Albumvorstellung

Albumvorstellung: «The Legend of Robin Hood»

Foto: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Konzeptalbum

Chris de Burgh besingt

«Robin Hood»

Berlin (dpa) - «The Lady In Red» sei mittlerweile viel größer geworden als er selbst, analysiert Chris de Burgh seinen Superhit. «In Amerika haben die Leute keine Ahnung, wer ich bin, aber das Lied kennen sie auf jeden Fall.»

Die Mutter aller Liebesschnulzen sieht der Sänger quasi als Schlüssel zu seinem Werk. «Ich habe so viele verschiedene Songs geschrieben. Aber wenn du den nicht magst, dann magst du nichts, was ich gemacht habe», sagt der 72-jährige Ire im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Wer aber zu den «Lady in Red»-Fans gehört, könnte sich folglich auch für das neueste Projekt von de Burgh begeistern.

Soziale Gerechtigkeit

Jetzt hat sich der in Buenos Aires geborene Musiker mit den markanten Augenbrauen die Abenteuer des Robin Hood vorgenommen, jenen mittelalterlichen Held, der in die englische Sagenwelt als Rächer der Entrechteten einging. Bevor 2022 sein Musical Weltpremiere in Deutschland feiern soll, kommt diesen Freitag (3. September) erst einmal die Platte «The Legend of Robin Hood» heraus - ein Konzeptalbum mit 23 Songs und Instrumentals.

Berühmt ist Robin Hood wegen seines Engagements für die Armen. Mit der Zeit hat sich der Räuber, der es auf die Schätze der Reichen abgesehen hat, zum Pionier der sozialen Gerechtigkeit gewandelt, der seine Beute unter den Mittellosen verteilt. Noch heute stehe der Held exemplarisch für die immense Ungleichheit in der Welt, in der sich außerordentlicher Reichtum in den Händen weniger Menschen befinde, so de Burgh. «Jedes Leben ist so wichtig wie das andere. Wir alle haben die gleichen Gefühle, die gleichen Wünsche, Hoffnungen, Träume, die gleichen Körperfunktionen, einfach alles.»

Dass es Robin Hood überhaupt jemals gegeben hat, ist nicht belegt. Für de Burgh war die Geschichte ein weißes Blatt Papier, wie er sagt. Zwar kommen bei ihm weiterhin bekannte Gestalten wie der Sheriff von Nottingham oder die Geliebte Maid Marian vor, aber was sie miteinander und füreinander tun, ist neu ausbalanciert. «Ich wollte eine dramatische Geschichte in meinem Album erzählen.»

Bekannt für lyrische Balladen

Und «Erzählen» trifft es tatsächlich: Auf der Platte, die unter anderen acht Lieder aus dem späteren Musical vereint, singt sich de Burgh durch das Leben Robin Hoods - wobei im Rampenlicht die Texte stehen, und die Musik hinter den Gesang zurücktritt. Für sein Arrangement greift der Ire teils auf mittelalterliche Minne und frühneuzeitliche Kompositionen zurück. Glücklicherweise aber lockert er mit poppigen Stücken wie «Live Life, Live Well», «Open Your Eyes» oder «Light A Fire!» seine strenge Erzählstruktur auf.

Bekannt ist de Burgh ohnehin für seine lyrischen Balladen, in denen er von einer besseren Welt träumt - das behält er auch auf der neuen Platte bei. In «Legacy» heißt es etwa einmal: «Ein einziges Licht kann in der Dunkelheit verloren gehen, aber eine Million Lichter werden in der Welt leuchten.»

17 Alben hat der Ire bisher in den deutschen Top Ten untergebracht. Die Hits «Don't Pay The Ferryman» und «High On Emotion» von zwei Nummer-eins-Alben vom Anfang der 1980er machten ihn berühmt, doch «The Lady In Red» von 1986 ist bis heute mit weltweit mehr als acht Millionen verkauften Exemplaren sein erfolgreichster Titel.

Musical in Fulda erst 2022

Auf Konzerten lässt er es sich nicht nehmen, mit Frauen aus dem Publikum einen kurzen Tanz hinzulegen, die in roten Kleidern zu seinen Gigs erscheinen. Doch zuletzt verzichtete de Burgh wegen der Corona-Pandemie für fast 600 Tage auf Live-Auftritte. «Das war sehr hart für die Menschen in meiner Branche, nicht nur für die Künstler, sondern auch für die Tausende von guten und professionellen Menschen, die die Tourneen unterstützen», sagt er. Nun freut er sich wieder auf die Bühne. Nach kleinen Konzerten in Köln und auf Mallorca startet er ab Anfang September eine Tour durch Deutschland.

Im kommenden Sommer steht dann auch das Musical «Robin Hood» in Fulda an - zumindest nach derzeitigem Stand. Eigentlich sollte das Stück bereits 2020 zur Premiere kommen, doch schon zweimal wurde es wegen der Pandemie verschoben. Zwischen Juni und Oktober sind nun mehr als 170 Termine geplant. Seine Songs werden darin auf Deutsch gesungen.

Zur Premiere will der Großvater dreier ganz kleiner Enkel wieder nach Fulda reisen. «Es gibt ein altes Sprichwort: Musicals werden nicht geschrieben, sie werden umgeschrieben», sagt er. Sie entwickelten sich je nach Regisseur ständig weiter - deshalb wolle er auch schon bei den Proben dabei sein. Sein Co-Komponist für das Musical, Dennis Martin, sagte einmal, sie wollten «keinen Helden in Strumpfhosen zeigen, sondern eine Figur, die eine politische und moralische Haltung hat». De Burgh sieht das ähnlich: «Wir haben ihn zu einer modernen Persönlichkeit gemacht.» Ein Held für heute, sozusagen.

© dpa-infocom, dpa:210831-99-34428/2

Homepage de Burgh

Tourdaten de Burgh

Albumvorstellung: «Sometimes I Might Be Introvert»

Foto: Nwaka Okparaeke/SureShot Promotions/dpa

 

Hip-Hop-Supertalent

Rapperin Little Simz

durchbricht Grenzen

Berlin (dpa) - Mit einem düsteren Marsch-Trommelwirbel geht es los, Chöre und Streicher steigern noch die Dramatik. Sobald sich dann der ultracoole Rap-Flow von Little Simz über diese orchestrale Szenerie legt, ahnt man endgültig, wie sich ein James-Bond-Titelsong mit Hip-Hop-Touch anhören könnte (Zeit dafür wäre es sowieso mal).

«Introvert», der sechsminütige Opener und Quasi-Titelsong des Albums «Sometimes I Might Be Introvert», ist eine atemberaubende Fusion gegensätzlicher Genres. Simbiatu Ajikawo alias Little Simz, die 27-jährige Rapperin, Sängerin, Produzentin und Schauspielerin aus London, lässt auch danach nicht locker.

Im Selbstermächtigungsstück «Woman» glänzt ihr lässiger Sprechgesang neben den warmen Soul-Vocals von Cleo Soul, die zuletzt als Mitglied der weltweit gefeierten, mysteriösen Band Sault bekannt wurde. Bei deren innovativer Mixtur aus Seventies-Soul, Jazz-Funk, Rap, Gospel und Afrobeat knüpft das vierte Album von Little Simz direkt an - und klingt doch aufregend neu.

«Sometimes I Might Be Introvert» könnte damit eine Hip-Hop-Platte werden für Leute, die Hip-Hop eigentlich nicht mögen - ohne dass dieser urbane Stil hier billig verwässert würde. Beim Mainstream anbiedern will sich die junge Britin jedenfalls nicht - sondern immer «the best version of myself» sein, die beste Ausgabe ihrer selbst.

Das ist Little Simz mit diesem grandiosen Crossover-Album gelungen. Sie habe bei Songwriting und Produktion der 19 opulenten Tracks «gelernt, mich richtig unter die Oberfläche zu begeben». Das Ergebnis: Seit Janelle Monáes R&B-Wunderwerk «The ArchAndroid» (2010) hat man selten so viel afrofuturistisches Selbstbewusstsein gehört (ganz aktuell bei Sault natürlich auch).

Und Little Simz steht nach ehrenvollen Nominierungen für den renommierten britischen Mercury Prize, für Ivor Novello und NME Awards erst am Anfang einer großen Karriere. Ihre Hauptrolle in der Netflix-Serie «Top Boy» (2019) unterstreicht das Multitalent dieser Künstlerin zusätzlich.

© dpa-infocom, dpa:210831-99-36186/3

Webseite Little Simz

Little Simz auf Twitter

 

 

Albumvorstellung: «Stand For Myself»

Foto: Joseph Ross/dpa

«Stand For Myself»:

Begeisternder Soul-Pop von Yola

Berlin (dpa) - In diesen Sommer betrauert die Musikwelt den Verlust des englischen Soul-Superstars Amy Winehouse vor zehn Jahren. Der Tod der erst 27-jährigen, suchtkranken Musikerin am 23. Juli 2011 riss eine große Lücke in die Pop-Szene auf der Insel.

Dass nun gleich mehrere Sängerinnen mit viel Talent und Charisma von Großbritannien aus die Welt erobern, ist immerhin ein kleiner Trost. Nach Arlo Parks und Celeste, die im Frühjahr mit starken Debüts auftrumpften, ist jetzt Yola mit ihrem zweiten Album «Stand For Myself» an der Reihe.

Schon der Vorgänger «Walk Through Fire» (2019) hatte der 1983 als Yolanda Quartey in Bristol geborenen Britin vier Grammy-Nominierungen eingebracht - unter anderem als beste neue Künstlerin. Viel Kritikerlob und begeisterter Zuspruch von Promi-Fans wie Elton John und Mavis Staples waren die Folge. Das Popmagazin «Billboard» nannte Yola «eine der gefeiertsten Sängerinnen unserer Zeit», der «Rolling Stone» hörte bereits eine neue «R&B-Königin».

«Stand For Myself», das mit Spannung erwartete zweite Album, erfüllt nun ganz viele Hoffnungen. Die Stimme der seit Jahren als Background-Sängerin (Massive Attack, The Chemical Brothers) bewährten Yola ist so umwerfend, dass man sich glatt an Soul-Ikonen wie Etta James oder Aretha Franklin erinnert fühlt. Zumal die opulenten Sixties-Pop-Arrangements einiger neuer Songs sich offenkundig an Franklins berühmten Burt-Bacharach-Interpretationen orientieren (etwa «Dancing Away In Tears», «Starlight» oder «Like A Photograph»).

Mit beeindruckender Mühelosigkeit führt Yola in den zwölf Liedern unter der Produzenten-Regie von Dan Auerbach (The Black Keys) Soul, Gospel, hymnischen Balladen-Pop und sogar Country-Folk («Great Divide», «Whatever You Want») zusammen. In ihren Texte formuliert die Britin viel schwarzes, feminines Selbstbewusstsein. Der kraftvolle Albumtitel und die starke Pose auf dem Cover sind also kein Zufall. Yola kann sich solche «Black Power»-Anspielungen definitiv leisten.

© dpa-infocom, dpa:210727-99-551562/3

Webseite Yola

Albumvorstellung: «Exit Wounds»

Foto: Yasmin Than/Oktober Promotion/dpa

 

Ein eigenes Lebenswerk:

Jakob Dylans neue Songs

Berlin (dpa) - Wohl nur wenige Abkömmlinge von Pop-Ikonen verkraften diese Bürde so gut wie Jakob Dylan. Der mittlerweile 51 Jahre alte Sohn von «His Bobness» hat sich in seiner Karriere überwiegend hinter einem Bandnamen verborgen - als Frontmann der Wallflowers, also «Mauerblümchen».

Auf «Exit Wounds», ihrem ersten Studioalbum seit «Glad All Over» von 2012, kehrt die kalifornische Folkrock-Truppe nun mit zehn gewohnt soliden, kraftvoll-melodischen, im besten Sinne zeitlosen Songs zurück.

Dass sein Vater, der Literaturnobelpreisträger und Musik-Erneuerer Bob Dylan (80), ein begnadeterer Komponist und Texter ist - Jakob Dylan würde das sicher nicht abstreiten. Aber schon seit seinem Durchbruch vor einem Vierteljahrhundert - mit dem Wallflowers-Album «Bringing Down The Horse» und der prächtigen Single «One Headlight» - hat der Sohnemann eigene Qualitäten als Singer-Songwriter bewiesen.

In einem Interview des Berliner «Tagesspiegels» betonte Jakob Dylan kürzlich, wie sehr er ein künstlerisches Leben «in der zweiten Reihe» hinter den Genies schätze, und nannte Namen wie George Harrison (The Beatles) oder Carl Wilson (The Beach Boys). «Damit identifiziere ich mich. Nicht alle brauchen die große Aufmerksamkeit.» So freundlich und bescheiden, ja unspektakulär wie dieser US-Musiker ist jetzt auch seine neue Platte wieder.

Tracks wie «Maybe Your Heart's Not In It No More», «Roots And Wings» oder «Move The River» sind Americana ohne krampfhaften Innovations-Anspruch, aber eben auch keine öde Folkrock-Dutzendware. Trumpfkarte des Albums sind einige Lieder, an denen die wunderbare Singer-Songwriterin Shelby Lynne beteiligt war. «The Wallflowers - das ist ein Großteil meines Lebenswerks», sagt Jakob Dylan. Und er schreibt diese schöne Geschichte nach fast zehnjähriger Unterbrechung mit «Exit Wounds» würdevoll fort.

© dpa-infocom, dpa:210706-99-274698/4

Band-Webseite

Garbage: «Fist Full Of Devils»

Foto: Chuck Lanza/Starkult/dpa

Earl Slicks furioser Riff-Ritt

durch die Rockgeschichte

Berlin (dpa) - Berühmte «Wasserträger», also wichtige Helfer von Genies und Überfliegern, gibt es nicht nur im Radsport oder Fußball. Sondern auch in der Rockmusik. So profitierte David Bowie in den über 45 Jahren seiner Karriere von einigen der weltbesten Gitarristen.

Vorneweg natürlich der großartige Mick «Spiders From Mars» Ronson, aber auch Chic-Funkateer Nile Rodgers, Carlos Alomar, Gerry Leonard - und praktisch bis zum Schluss immer wieder Earl Slick.

Rein instrumentales Album

Der 68-jährige US-Amerikaner mit dem coolen Retro-Rocker-Look geht seit Bowies Tod im Januar 2016 nicht nur regelmäßig in einer prominent besetzten Tribute-Band zu Ehren des Meisters auf Tournee - er macht auch solo weiterhin hörenswerte Musik. Slick feuert auf dem Album «Fist Full Of Devils» die Riffs jetzt so lässig aus der Hüfte, dass man dem Wegbegleiter von Bowie, John Lennon, Keith Richards, David Coverdale oder Ian Hunter für seine lediglich solide wertkonservativen Songs kaum gram sein kann.

Besonders sympathisch kommt Slick mit dem rein instrumentalen Ansatz seiner 55 Minuten langen Platte rüber: Dieser Gitarrist hätte locker ein paar prominente Sänger für seine Stücke finden können, um den Glamourfaktor zur erhöhen - wollte er aber wohl nicht. Stattdessen stellt der als Frank Madeloni in Brooklyn/New York geborene Musiker sein Können an den sechs Saiten ins Zentrum - in Songs, die Hardrock, Seventies-Pop, Rockabilly, Blues, Balladen («Emerald») oder auch mal Boogie («Dr. Winston O'Boogie») streifen und Riesenspaß machen.

Für Musikfans, die den Tod der Rockgitarre (und der klassischen Virtuosen-Rockmusik insgesamt) am Horizont sehen, ist «Fist Full Of Devils» bestimmt eine Zumutung. Der Rest kann sich an furiosen, aber auch nicht unangenehm eitlen Darbietungen erfreuen (laut Slick «Akrobatik ohne Sicherheitsnetz - ich wollte nie etwas Anderes»). Die Platte lässt einen hoch verdienten Promi-Sidekick im gehobenen Alter nochmal glänzen. Bowie hätte sich gefreut für seinen treuen Kumpan.

© dpa-infocom, dpa:210629-99-186182/4

 

 

Besucht uns bei facebook

WERBEANZEIGE