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Albumvorstellung: «Hy Brasil»

Foto: Henning Kaiser/dpa

 

Rea Garvey zieht es

an seinen Sehnsuchtsort

Berlin (dpa) - Hy Brasil ist der Name einer sogenannten Phantominsel, die angeblich im sechsten Jahrhundert vor Irland entdeckt wurde, in Wirklichkeit aber nie existierte. Dieser mystische Ort, der vielen lange als Sehnsuchtsziel galt, hat Sänger Rea Garvey für seine neue Platte «Hy Brasil» inspiriert.

Der Ire, der seit über 20 Jahren in Deutschland lebt und hier seine damalige Band Reamonn («Supergirl») gründete, fühlte sich zuletzt mit seinem musikalischen Schaffen nicht mehr wohl. Der Genuss sei ihm abhanden gekommen. Corona habe ihm zusätzlich zugesetzt.

«Ich habe in der ersten Welle etwas meine Motivation verloren und musste mich echt zusammenreißen. Ich habe gemerkt, dass ich in eine falsche Richtung gehe», sagte Garvey der Deutschen Presse-Agentur. «Ich musste die Liebe zur Musik wiederentdecken.» Deshalb hat es ihn quasi zu seinem musikalischen Sehnsuchtsort gezogen.

Die 14 Songs auf «Hy Brasil», die er zum größten Teil vor der Coronakrise geschrieben hat, bestehen aus Rock-Pop-Songs, die gute Laune verbreiten. Vor allem das eingängige «heyheyhey» oder das mit Elektrobeats unterlegte «The One».

Aber der Musiker, der derzeit in der zehnten Staffel der Castingshow «The Voice of Germany» zu sehen ist, klingt auch nachdenklich. In «Men Don't Cry» geht es um die Beziehung zu seinem Vater und dessen Unfähigkeit, bestimmte Gefühle zu zeigen.

«Im Studentenalter habe ich angefangen, meinen Vater zu umarmen und das auch von ihm einzufordern. Das gab es so bei uns nicht», erklärt Garvey, der noch sieben Schwestern hat. «Mein Vater hat nie die Werkzeuge bekommen, diese Gefühle zu zeigen.»

Politisch wird der 47-Jährige in «Enough Is Enough», einem Duett mit dem Wiesbadener Rapper Kelvyn Colt. «Es gibt Ignoranz, Rassisten und die, die voller Hass sind. Lasst uns uns gegenseitig aufbauen und die Mauer der Trennung abreißen», heißt es darin.

Den Song habe er in diesem Sommer unter dem Eindruck der Unruhen in den USA geschrieben. Die Videos von Polizeigewalt gegen Schwarze hätten ihn nicht in Ruhe gelassen. Der Titel steht dabei für sich: «Genug ist genug».

© dpa-infocom, dpa:201117-99-366058/3

Rea Garvey auf Instagram

 

 

 

Albumvorstellung: «I Owe It All To You»

Foto: Universal Music Group/PA Media/dpa

 

Shirley Bassey: Abschied der

Grande Dame des Pop?

London (dpa) - Mit 83 Jahren präsentiert sich Shirley Bassey so glamourös wie eh und je. Vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums ließ sich die Sängerin für die Modezeitschrift «Vogue» ganz in Gold ablichten.

Sogar eine goldene Gesichtsmaske trug die britische Pop-Diva, die in den 1960er Jahren mit dem James-Bond-Titelsong «Goldfinger» weltberühmt wurde und sich seit rund 20 Jahren «Dame Shirley» nennen darf.

Das Coverfoto ihres neuen Studioalbums, des ersten seit fünf Jahren, erstrahlt ebenfalls in goldenem Licht. Die Plattenfirma nennt «I Owe It All To You» (Ich verdanke alles Euch) ein «großes Finale». Verabschiedet sich Bassey nach all den Jahren endgültig aus der Musikbranche? Dazu würde der Titel passen. Die Platte sei ein Dankeschön an ihre Fans, sagt sie. «Mein neues Album feiert 70 Jahre im Showbusiness. 70 Jahre Unterstützung durch meine Fans und 70 Jahre voller Musik.»

Auf «I Owe It All To You» präsentiert sie eine luxuriös orchestrierte Mischung aus Coverversionen und neuen Songs. Die britische Grande Dame des Pop trägt sie mit gewohnter Verve, viel Pomp und der ihr eigenen Theatralik vor. Ihre Stimme, die sie Mitte der 80er Jahre nach dem Schock über den Tod ihrer Tochter Samantha vorübergehend verloren hatte, ist immer noch gewaltig.

Dramatisch schmettert die 83-Jährige «Who Wants To Live Forever» von Queen. Den Klassiker «Always On My Mind», mit dem schon Elvis Presley und die Pet Shop Boys großen Erfolg hatten, singt Bassey mit einer fast ansteckenden Melancholie. Dazwischen gibt's auch mal eine lässig swingende Big-Band-Nummer wie «Look But Don't Touch». Während der Aufnahmen habe sie nicht aufhören können zu tanzen, so die mehrfache Großmutter und Urgroßmutter. «Wir hatten unsere eigene kleine Party im Studio.»

Der Text für den Titelsong stammt übrigens von Basseys gutem Freund und Weggefährten Don Black. Der Songwriter-Veteran schrieb für sie unter anderem das Bond-Lied «Diamonds Are Forever» (1971). Die Musik komponierte der britische Songwriter Jack McManus, der erst 20 Jahre nach der Veröffentlichung von «Goldfinger» geboren wurde.

Barry Manilows erhebende Durchhalte-Ballade «I Made It Through The Rain» macht sich Bassey zu eigen, als hätte es nie eine andere Version gegeben. Sie weiß, wovon sie singt - während ihrer langen Karriere hat sie beruflich und privat viele Höhen und Tiefen erlebt. Mit seiner positiven Botschaft sei das Lied wieder topaktuell. «Es ist so wichtig zu wissen, dass alles wieder gut werden wird und wir es durchstehen werden», meint Bassey voller Zuversicht.

«Die Songs, die ich ausgewählt habe, fühlen sich alle sehr persönlich an und haben eine Verbindung zu meinem Leben», betont die Sängerin. Sollte «I Owe It All To You» tatsächlich ihr letztes Werk bleiben, ist Dame Shirley Bassey ein Abschied nach Maß gelungen.

© dpa-infocom, dpa:201103-99-188739/5

Website Shirley Bassey

 

 

Foto: Tony Mott/dpa

Albumvorstellung: «The Makarrata Project»

The Makarrata Project

Midnight Oil: Neue Songs im

Kampf für Australiens Indigene

Midnight Oil melden sich wieder lautstark zu Wort. Zu ihren besten Zeiten waren sie vor allem für ihre sozialkritischen Texte bekannt, sangen gegen aktuelle politische Strömungen an. Jetzt haben sie dafür sogar einen Ex-Minister am Mikro.

Sydney (dpa) - Eine der bekanntesten Rockbands Australiens ist wieder da. Ein Vierteljahrhundert wurden Midnight Oil («Beds Are Burning») von ihren Fans gefeiert, ehe sich die Band 2002 offiziell auflöste. Doch die Musik-Rentner fanden 2017 wieder zusammen und gingen erneut auf Tournee. Und jetzt, 18 Jahre nach ihrem bisher letzten Album «Capricornia», ist im Studio ein neues Werk entstanden.

Eigentlich ist «The Makarrata Project» ein Mini-Album mit nur sieben Songs, doch das tut der Freude über die Wiederkehr der Down-Under-Rocker keinen Abbruch. Schon der Name der Platte verrät, dass es hochpolitisch wird: «Makarrata» ist der Sprache der indigenen Bevölkerung Australiens entnommen, gleichbedeutend etwa mit Versöhnung oder Heilung, auch Friedensprozess.

Konkret geht es um Wiedergutmachung, die Australien den Aborigines nach Jahrhunderten der Unterdrückung und Enteignung schuldet. Dazu wurde 2017 die «Uluru-Erklärung der Herzen» («Uluru Statement From The Heart») von einer Verfassungskommission unterzeichnet - mit dem Ziel, die Indigenen verfassungsmäßig anzuerkennen.

«Als James Cook vor 250 Jahren landete, begann auch der Raub an Aborigines und Insulanern», erklärt Midnight-Oil-Frontmann Peter Garrett. «Wir müssen im Versöhnungsprozess den Einsatz erhöhen und die im wegweisenden Uluru-Statement festgehaltenen Ziele weiter verfolgen. Unsere Songs handeln davon, dass wir mit unserer gemeinsamen Geschichte ins Reine kommen und zusammen eine bessere Zukunft schaffen müssen.»

Garrett ist genau der richtige Mann, dieses Anliegen mit Nachdruck zu vertreten. Schließlich ist er nicht nur Sänger, sondern auch Politiker, sogar Ex-Minister - zunächst für Umwelt, Kulturerbe und Kunst (2007-2010), danach für schulische Bildung, Kinder und Jugend (2010-2013).

Einen singenden Ex-Minister - so etwas kann sicherlich nicht jede Band vorweisen. Doch nicht nur der Politiker, auch die Urbevölkerung selbst kommt auf dem Album zu Wort. Neben in Australien bekannten indigenen Musikern der jüngeren Generation wie Jessica Mauboy, Alice Skye oder Troy Cassar-Daley waren auch Altstars wie Kev Carmody, Sammy Butcher und Frank Yamma an der Entstehung des Werks beteiligt.

Auf einem der Songs ist sogar die Stimme des legendären, früh gestorbenen Songwriters und Musikers Gurrumul zu hören, dessen Vornamen traditionsgemäß nach seinem Tod nicht mehr genannt werden soll. Am Ende des Mini-Albums verlesen verschiedene Stars des fünften Kontinents gemeinsam das sogenannte «Uluru Statement From The Heart».

«Jeder dieser brillanten Musiker, die mit uns zusammengearbeitet haben, hat seine ganz persönliche Interpretation der Songs abgeliefert und mit seinen Ideen zur Entstehung des Albums beigetragen», sagt Drummer Rob Hirst. Midnight Oil seien vor allem «tief bewegt» gewesen, als Gurrumuls Familie bis dahin ungehörte Aufnahmen dieses Musikers zur Verfügung stellten. «Ein wahres Highlight», resümiert Hirst.

© dpa-infocom, dpa:201027-99-100885/3

Website Midnight Oil

 

 

Busty And The Bass: «Song Machine: Season One - Strange Timez»

Foto: Foto: Anthony Anex/KEYSTONE/dpa

Berlin (dpa) - Es gibt in der Popmusik eine Menge Gags, die schnell schal werden. Die Gorillaz gehören nicht dazu.

Schon seit über 20 Jahren gibt es diese immens erfolgreiche virtuelle Band, die offiziell aus den vier Cartoon-Figuren 2D, Murdoc, Noodle und Russel besteht - de facto aber aus dem Musiker Damon Albarn (Blur, The Good The Bad & The Queen) und Comic-Zeichner Jamie Hewlett («Tank Girl»). Das mit Promi-Gästen gespickte siebte Gorillaz-Album kommt nun als origineller, schlauer und dabei sehr kurzweiliger Soundtrack für diese «seltsamen Zeiten» daher.

«Strange Timez» heißen dementsprechend ein Untertitel und der Eröffnungssong dieses zwischen Soul-Balladen, Electro, Hip-Hop, Reggae, World-Pop und Indie-Rock elegant entlangtänzelnden Werks. Wie früher schon auf «Plastic Beach» (2010) und «Humanz» (2017) hat der Sänger und Multiinstrumentalist Albarn zahllose Hochkaräter auf insgesamt 17 kunterbunte Stücke verteilt: Robert Smith (The Cure) wehklagt wie von ihm gewohnt im Titelsong, es folgen Auftritte von Beck, Elton John, Peter Hook (New Order), St. Vincent, Fatoumata Diawara, Slowthai - um einige der bekanntesten Namen zu nennen.

Der vollständige Titel des Albums lautet «Song Machine: Season One - Strange Timez», und es begann ergebnisoffen, wie Albarn (52) aus seiner Londoner Wohnung im Interview der Deutschen Presse-Agentur erzählt. «Zunächst hatten wir nur einen einzigen Song, doch es kam bis Juni wirklich jeden Monat ein neuer hinzu. Ein zusammenhängendes Album war überhaupt nicht geplant, aber dann entwarf mein Freund Stuart Lowbridge eine Reihenfolge, und wir hatten eine gute Platte.»

Albarn freut sich über den spontanen «Spirit» seines Projekts, das wie üblich von witzigen Hewlett-Cartoons und fantastischen Kurzfilmen begleitet wird: «Man startet mit etwas und weiß nicht, wie es enden wird.» Musik, die «wie ein Puzzle ohne Bildvorlage» entstehe, sei für ihn viel interessanter als konkrete Richtungsvorgaben.

Der Brite, seit den ersten Erfolgen mit der Band Blur vor gut 25 Jahren ein experimentierfreudiger Pop-Tausendsassa, gibt zu, dass ihm die coronabedingte Bastelarbeit an den meisten neuen Gorillaz-Tracks lag. Nur wenige Mitwirkende kamen vor dem Lockdown noch persönlich ins Studio. «Es war das erste Mal in meinem Leben, dass man das Regelbuch wegwerfen musste, um mit all diesen Restriktionen zurechtzukommen. Ich fühle mich nun unglaublich glücklich, und irgendwie ist es auch ein Wunder, dass ich mit den anderen Leuten dennoch so viel hinkriegen konnte in diesem Jahr.»

Dabei half Albarn seine Vernetzung in der globalen Pop-Szene. Hat er eigentlich ein riesengroßes Telefonnummernbuch, um all diese Kontakte anzubahnen? «Ach, ich arbeite ja praktisch gar nicht mit dem Telefon», verrät er. «Aber ich schreibe anderen Leuten gern Briefe. Und ich bin dann auch nicht sauer, wenn mal einer Nein sagt.» Viele Stars sagten indes auch diesmal Ja.

Dass er mit den 1998 gestarteten Gorillaz so dauerhaft (und längst als Konzertmusiker in grandiosen Multimedia-Shows) unterwegs sein würde, überrascht auch Albarn. «Ich habe ja nicht einmal angenommen, dass ich selbst so lange im Musikgeschäft dabei bin, 32 Jahre jetzt», sagt er lachend. «Also nein, gerade mit den Gorillaz hatte ich das nicht erwartet. Aber wir haben dann ziemlich schnell gemerkt, dass es mehr ist als nur ein Seitenprojekt.»

Langweilig wurde Albarn/Hewlett damit nie - zumal die Nachfrage anhielt und die Alben weltweit hohe Charts-Plätze erreichten. Daher will der Mastermind der Grammy-dekorierten Cartoon-Truppe möglichst bald auch wieder live unter dem Gorillaz-Banner auftreten. Und dann soll dem «Strange Timez»-Album irgendwann ein Nachfolger «Song Machine: Season Two» folgen. Am liebsten mit dem Untertitel «Better Timez» (bessere Zeiten), schlägt Albarn vor.

© dpa-infocom, dpa:201020-99-08365/3

Albumvorstellung: «Andro»

Foto: Myriam Santos/Better Noise Music/Sony Music/dpa

Mötley-Crüe-Drummer

Viel Rap, wenig Rock:

«Andro» von Tommy Lee

London (dpa) - Bei Konzerten seiner Hardrock-Band Mötley Crüe stand Schlagzeuger Tommy Lee schon immer für Spektakel. Auf dem Höhepunkt der letzten Shows trommelte er sein Drum-Solo kopfüber, festgeschnallt an sein Schlagzeug, das sich an einer Schiene über das Publikum bewegte. Ähnlich überdreht klingt sein neues Soloalbum «Andro».

«Ich saß herum und schrieb wie ein Verrückter», sagte Lee, der sich im Studio austobte. «Ich hab auf dem Keyboard in die Tasten gehauen, und plötzlich hat mich der Sound inspiriert oder es kam ein Beat, und der Rest entstand von allein.» Rund ein Dutzend Gastmusiker lud Lee dazu ein. Künstler wie Killvein, Moon Bounce oder King Elle Noir dürften aber nur absoluten Insidern ein Begriff sein.

Klassischen Rock gibt es nicht. Lukas Rossi, einst Frontmann in Lees kurzlebiger Band Rockstar Supernova, singt «When You Were Mine», ein Prince-Cover, das noch am ehesten als Rock zu bezeichnen ist. Josh Todd, Sänger der L.A.-Rocker Buckcherry, singt wiederum gar nicht. Er spricht 30 Sekunden lang über Eiscreme. Das ist eben Lees Humor.

«Knock Me Down» mischt Rap mit Industrial-Metal, der Track hat Wucht. Rapperin Brooke Candy und R&B-Sänger Moon Bounce reimen zu dumpfen Beats («Demon Bitches»), die Südafrikanerin Push Push rappt mit markantem Akzent zu minimalistischen Synthie-Klängen («Tops»). Sogar eine clubtaugliche Dance-Nummer («Make It Back») hat Lee zu bieten.

Nach dem radiofreundlichen Soloalbum «Tommyland: The Ride» (2005) ist «Andro» ein gewöhnungsbedürftiges Chaos, das mitunter an Lees frühere Band Methods Of Mayhem erinnert. Die nahm 1999 ein Album auf, auf dem unter anderem Snoop Dogg, Lil' Kim und Fred Durst mitwirkten. Damals sang und rappte Lee selbst. Jetzt konzentriert er sich auf Samples, Instrumente und druckvolle Drums. Durst produzierte die Videos dazu.

Nur wenige Mötley-Crüe-Fans werden sich wohl für «Andro» begeistern können, und das hat Lee auch bewusst einkalkuliert. Trotzdem können die Crüe-Anhänger beruhigt sein. Denn bald will der 58-Jährige wieder mit seiner Kultband auf Tournee gehen. Knapp sechs Jahre, nachdem die Musiker per Vertrag versichert hatten, nie wieder als Mötley Crüe zu touren, gaben sie Anfang dieses Jahres ihre Wiedervereinigung bekannt.

© dpa-infocom, dpa:201013-99-923540/3

Website Tommy Lee

 

 

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