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Album des Monats

ANNETT LOUISAN - "BERLIN, KAPSTADT, PRAG"


VÖ: 13.05.2016
Der Titel stellt direkt klar, dass hier jemand auf Reisen ist. Unterwegs mit dem Ziel, mal wieder bei sich selbst vorbeizuschauen. Obwohl es sich bei »Berlin, Kapstadt, Prag« sozusagen um ein ›Übergangsalbum‹ auf dem Weg zu einem neuen Studio-Album handelt, ist dieser musikalische Zwischenschritt von immenser Bedeutung. Ein essentielles Coveralbum? Unbedingt – denn es ist schließlich die Route, die darüber entscheidet, ob man zur richtigen Zeit am richtigen Ort ankommt. Unten rum dreckig. »Als ich während der Arbeiten an meinem nächsten Album in Berlin war, habe ich festgestellt, dass ich eine musikalische Luftveränderung brauche. Als dann die Versionen aus ›Sing meinen Song‹ rund um die Zeit in Kapstadt zu ganz neuer Wahrnehmung geführt haben, ergab sich fast automatisch die Lust, das Ganze noch auf die Spitze zu treiben. Aus einem Demo wurde der Gedanke: Warum eigentlich nicht? Was für ein Abenteuer, sich mehr oder weniger unvorbereitet Songs zu nähern, die überhaupt nicht naheliegend sind! Aus purem Spaß ist dann in Prag ein Album entstanden, das sich anfühlt, wie Urlaub. ›Berlin, Kapstadt, Prag‹ – diese Route gehört zusammen, weil das eine ohne das andere nicht stattgefunden hätte. Der ganze Prozess erinnert mich an meine Jugend – an die Zeit, in der man versucht, seine eigene Stimme zu finden. Auf der Suche danach, was einen ausmacht, indem man sich an anderen orientiert, um sich bewusst davon wegzubewegen. Um zu wissen, wo zuhause liegt, muss man erst mal weggehen – und das ist gar nicht so einfach. Diese Songs liebe ja nicht nur ich, sondern auch Millionen andere und sie sich zu eigen zu machen, ist eine Herausforderung. Ich wollte mich überraschen lassen und dabei hat auch mein Produzent Tobias Kuhn eine zentrale Rolle gespielt. Wir haben uns Songs zugeworfen, auf die ich allein nicht gekommen wäre. Das Konzept bestand nur darin, dass es sich um deutschsprachige Titel handeln und die Produktion unbedingt klein und intim bleiben sollte. Kein großer Aufriss, bloß kein Orchester, gerne etwas schrammelig und bitte nicht so artig. ›Berlin, Kapstadt, Prag‹ ist all das tatsächlich geworden und das Arrangement ist quasi ›unten rum‹ manchmal richtig schön dreckig.« Dem ›Kritischen Ich‹ ein Bein stellen. »Es ist erstaunlich befreiend, ein Album zu machen, bei dem man sich voll auf eine Sache konzentrieren darf. Ich bin grundsätzlich fleißig und brenne für meine Musik, aber wie jeder Mensch bin ich auch fehlerhaft; ich übernehme Rollen, aus denen ich herauswachse, und habe Phasen, in denen ich das Rampenlicht scheue. Es ist an der Zeit, auch diese Seite von mir zu bereisen und das Besondere daran zu entdecken. Vollkommen bewusst haben wir dem ›Kritischen Ich‹ also ein Bein gestellt und in 10 Tagen 10 Songs produziert, ohne viel darüber nachzudenken. Wir haben alles gegeben, nachts gesagt ›that’s it‹ und das Lied dann einfach für sich stehen lassen. Das macht heute eigentlich keiner mehr. Albumproduktionen dauern oft Monate oder sogar Jahre und dabei kann man sich schon mal selbst überholen. ›Berlin, Kapstadt, Prag‹ dagegen war ein einziger Sprint. Wie live spielen mit tollen Musikern, denen man hundertprozentig vertraut. So ein Marathonspurt schweißt natürlich extrem zusammen und lebt vom unmittelbaren, ehrlichen Gefühl, gemeinsam ein Risiko einzugehen – und durch diese Euphorie entsteht eine Menge Liebe. Die Zeit im Studio war wie ein Rausch und wir haben uns gefühlt, wie auf einer Klassenfahrt. Es hat alles perfekt zusammengepasst: Die Suche nach Herausforderung mit all ihren Zweifeln ist eine Reise mit unbekanntem Ausgang – genauso wie es für uns ›Berlin, Kapstadt, Prag‹ war. – Und unterwegs haben uns einige der Begegnungen echt umgehauen.« TRACK BY TRACK Wie soll ein Mensch das ertragen // »Philipp Poisel gehört für mich zu den ganz Großen: Ein eigenwilliger Künstler mit wahnsinnig viel Talent, der kein Klischee bedient und dessen Stimme man trotzdem immer erkennt. Der Song ist mir zufällig begegnet und hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Seine Art Geschichten zu erzählen, liegt meiner ziemlich nah. Es war ein Fest, mich darin zu finden.« Engel // »Ich stehe total auf Rammstein. Ich finde es genial, wie sie mit Klischees und Vorurteilen spielen. Unsere Fassung von ›Engel‹ ist wie die kleine Schwester von unserer Version von ›OMG!‹ – ähnlich dark, vielleicht wie ein Soundtrack zu einem Film wie ›Cold Mountain‹. Die düstere Atmosphäre gepaart mit meinem Gesang ergibt eine spannende Mischung.« OMG! // »›OMG!‹ war der erste Song, den wir aufgenommen haben – und wird auch die erste Single. Marterias Text ist eine absolute Eins und er beeindruckt mich auch dadurch, dass er sich traut, verschiedene Seiten zu zeigen. Das Original knallt so rein – dagegen ist meine Version fast apokalyptisch kaputt. Der Song holt mich total ab: Ich möchte öfter Statements abgeben und mir erlauben, kritischer zu sein. Es lag nicht auf der Hand, aber der Song passt super in mein Repertoire, bei dem ich oft höre, dass die Lieder aussprechen, was sie denken. Dieser gemeinsame Nenner ist meine größte Motivation.« Stark // »Weil ich diesen Song noch mehr aus meiner Perspektive singen wollte und ein paar Änderungen am Text machen, habe ich Annette Humpe angerufen, die ich bewundere und mit der ich auch schon gearbeitet habe. Sie war total offen und sagte nur: ›Mach alles!‹. Der Song liegt mir so nah, weil ich zwar fest auf eigenen Beinen stehe seit ich 17 bin, mir aber bewusst bin, dass das ständige auf Tour sein und das im Mittelpunkt stehen die Gefahr birgt, verdammt narzisstisch zu werden. Mir ist es wichtig, den Bezug zur Realität nicht zu verlieren – so gesehen ist ›Stark‹ ein beinahe biografischer Song.« Bologna // »Ich liebe diese Band! Weil sie so furchtlos sind und nicht an morgen denken. Dieser Song ist für mich eine Art Blaupause, was Mut zur Rotzigkeit angeht. Es hat unglaublichen Spaß gemacht, mich an eine eigene Interpretation zu wagen. Meine Stimme klingt auf der Aufnahme ein bisschen wie die von Carla Bruni und unter anderem das macht unsere Version extrem sexy und angemessen verrucht.« So lang’ man Träume noch leben kann // »Das Lied hat durch uns einen gewissen Django- Reinhardt-Twist bekommen und ist ganz schön weit weg vom Original, dadurch wird aber sogar noch deutlicher, aus was für einer Riesenmelodie der Song besteht. Ich steh voll auf die Stimme, auf Münchener Freiheit generell. Ich erinnere mich noch, dass ich die Kassette mit dem Song nachts über Kopfhörer gehört habe, als ich wegen einer Blinddarm-OP im Krankenhaus lag.« Durch den Monsun // »Dieses Original war eine Weile lang mein Sorgenkind. Eine großartige Melodie mit einem beinahe kindlichen Text, gesungen von einem Jungen. In diese Welt musste ich mich erst mal einfühlen, obwohl ein Teil meiner musikalischen Anlage ja auch mädchenhaft ist. Am Ende habe ich es dann geliebt, diesen Text zu singen. Tokio Hotel kommen interessanterweise aus dem gleichen Bundesland wie ich und sind ungefähr zur gleichen Zeit in ihre Karriere gestartet.« Das Model // »Kraftwerk sind fantastisch und erstaunlicherweise ist meine Version des Songs, vielleicht die Coverversion auf dem Album, die meinen eigenen Sachen am nächsten steht. Ich suche ja immer nach passenden Kleidern für meine Songs, wie z.B. einem heißen Tango für ein Lied, das von Eifersucht handelt – und genau das ist uns hier auch gelungen. Ich höre ganz eindeutig Annett Louisan – und würde zu gern wissen, was Kraftwerk über diese Fassung denken.« Merci Cherie // »Diesen Song wollte ich unbedingt machen. Ich bin ja ein großer Fan von Udo Jürgens und ich habe keinerlei Berührungsängste mit Schlager – nur feige darf er nicht sein. Udo war es egal, ob er Publikum verliert; er hat die Verantwortung übernommen, sich als Künstler nicht zu verstecken, die ich auch empfinde. Es war ein Kindheitstraum von mir, ihn anlässlich des Tributes zu seinem 80. Geburtstag kennenzulernen. Der Song passt zu meiner Liebe zu Frankreich und berührt mich sehr: Es geht um Abschied, um tiefempfundenen Liebeskummer mit unglaublich viel Zärtlichkeit.« Helden // »Das Lied bedeutet mir unglaublich viel. Es ist mein Lieblingssong von David Bowie und er wurde in meinem Geburtsjahr geschrieben: 1977. ›Heroes‹ hat mich nicht nur in ›Wir Kinder vom Bahnhof Zoo‹ aufs Stärkste beeindruckt – das Liebeslied behandelt ja auch den Ost-West-Konflikt, von dem ich direkt betroffen war. Mich faszinieren das Gebrochene und die darin verborgene Schönheit. Ich möchte dazu gerne selbst noch ein Video drehen – auf dem Fahrrad durch Berlin oder so ...«

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